Stadtkultur Bensheim: Stadtkultur Bensheim
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Integration der "Arnauer Riesengebirgsstube"

Rübezahlfigur (Fotoausschnitt), Holzplastik (Höhe 270 cm) von Holzschnitzer Rudolf Göbel aus Weinheim, 1963, ursprünglich im Stadtpark Bensheim aufgestellt, seit 2007 im Museum Bensheim

Im Jahr 1956 übernahm die Stadt Bensheim die Patenschaft für Arnau an der Elbe im heutigen Tschechien, da viele der von dort vertriebenen Deutschen mittlerweile an der Bergstraße lebten. Mit der Patenschaft verband sich die Aufgabe, „ostdeutsche Kulturwerte“ zu pflegen; alle dinglichen Überlieferungen und Erinnerungsstücke an Arnau zählten dazu.

Bei der Eröffnung des neuen Museums im Lorscher Klosterhof 1960 fehlte noch die Vertriebenenstube – das Dachgeschoss diente damals nur als Magazin. Erst 1962 richteten die Arnauer mit Dokumenten und Andenken im Obergeschoss einen ersten Erinnerungsort ein, der noch ausschnitthaft in Fotografien überliefert ist.

1977 verließen die Arnauer das Museumsgebäude mit ihren Erinnerungsstücken, um im Dachgeschoss Platz für wechselnde Museumsausstellungen zu machen. Die Heimatstube zog zunächst in die Faktorei, doch wegen der anstehenden Sanierung wurde schon 1985 ein erneuter Ortswechsel nötig. In der Nibelungenstraße 6 fanden sich neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss eines städtischen Gebäudes. Vier großzügige Zimmer boten ausreichend Raum zur Präsentation einer Sammlung, die stetig wuchs und von den engagierten Betreuern unablässig gepflegt wurde. Die „Arnauer Riesengebirgsstube“ entwickelte sich am neuen Standort auch zu einem Treffpunkt für die Generation der Vertriebenen – zu einem Stück Heimat.

Der durchtrennte Leiterwagen von Heinz Sturm symbolisiert zugleich Ende und Neubeginn verschiedenster Lebenswege

Von Arnau nach Bensheim - Erinnerungen an die Heimat, die Vertreibung und den Neuanfang


20 Jahre später beschloss die Stadt Bensheim in enger Absprache mit den Betroffenen die erneute Wiedereingliederung der „Riesengebirgsstube“ ins städtische Museum. Im Zuge der Umgestaltung und Erweiterung der stadtgeschichtlichen Abteilung 2005 waren im Dachgeschoss Vitrinen und Stellflächen frei geworden, die nun wieder die Heimatsammlung aufnehmen sollten – 30 Jahre nach deren Auszug aus dem Museum.

Die von Irmgard Most 1994 eingerichtete Präsentation hauswirtschaftlicher Objekte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts musste dabei allerdings erhalten bleiben. Sie veranschaulicht heute die Verhältnisse, die in Bensheimer Bürgerhäusern herrschten, als die Vertriebenen mit wenig Gepäck und ohne Hoffnung an der Bergstraße ankamen. Die Wiedereingliederung der „Arnauer Riesengebirgsstube“ fand 2006 auf Grundlage wissenschaftlicher Forschungen und moderner museologischer Standards statt – aus einer selbstständigen „Heimatstube“ wurde die museale Abteilung "Von Arnau nach Bensheim - Erinnerungen an die Heimat, die Vertreibung und den Neuanfang".