Stadtkultur Bensheim: Stadtkultur Bensheim
Museum
MUSEUM

Museumsgeschichte bis 1935

Gründung durch den Museumsverein

Gymnasiallehrer Prof. Karl Albert Henkelmann war der erste Museumsleiter
Die ehemalige Domkapitelfaktorei in der Hauptstraße

Das Museum Bensheim wurde am 5. Dezember 1909 in zwei Erdgeschossräumen der alten Domkapitelfaktorei, dem ehemaligen Mädchenschulhaus in der Hauptstraße, eröffnet und ist damit das älteste im heutigen Kreis Bergstraße. Ein Jahr zuvor gründeten Vertreter der bürgerlichen Oberschicht den Museumsverein Bensheim, der in § 1 seiner Satzung festschreibt: „Der Zweck des Vereins ist die Gründung und Erhaltung eines Heimatmuseums, in welchem Gegenstände aller Art gesammelt und ausgestellt werden, ...“ Dem ersten Vorstand gehörten Bürgermeister Dr. Ignatz Frenay (Vorsitzender), Seminarlehrer Philipp Buxbaum, Kaufmann Jean Desaga, Dr. August Feigel, Gymnasiallehrer Prof. Karl Albert Henkelmann, Schmiedemeister Leonhard Klein, Stadtsekretär Peter Krenkel, Prof. Lenhart, Prof. Heinrich Metzendorf, Kaufmann August Müller, Privatier Gustav Müller, Bankier Daniel Reiling sowie Seminaroberlehrer Prof. Werner an.

Erster Leiter des „Bergsträßer Heimatmuseums“ wurde Karl Henkelmann, dem vor allem die Vermittlung heimatkundlicher Inhalte am Herzen lag. Beteiligt an der Inneneinrichtung des Museums war der Landhausarchitekt Heinrich Metzendorf, dessen Vorliebe für „Heimatliches“ auch hier zum Tragen kam. Nach etlichen Aufrufen kamen schon vor der Eröffnung aus allen Kreisen der Bevölkerung Sachspenden und Zuwendungen, für die sich der Vorsitzende des Museumsvereins Bürgermeister Dr. Ignaz Frenay mehrfach öffentlich bedankte. So entstand ein weitgehend zufälliger Exponatbestand mit überwiegend lokalen und regionalen Bezügen.

Sicher hat das bereits im Jahre 1880 in Räumlichkeiten des Wambolter Hofes eingerichtete „Gewerbe-, Landwirtschafts- und pädagogische Museum“ die späteren Bestrebungen beeinflusst. Mit städtischer Unterstützung übernahm der pensionierte Seminarlehrer Georg Knöpp Leitung und Betrieb. Das aus der Volksbildungsbewegung hervorgegangenen Museum musste allerdings nach drei Jahren wieder schließen. Es ist unbekannt, ob Musealien in das spätere Heimatmuseum übernommen werden konnten.

Zwei Weltkriege hinterlassen ihre Spuren

Die Bauernstube im Odenwaldmuseum

Erweitert wurde das Museum 1912 um zwei Räume im ersten Obergeschoss der Faktorei. Die Übernahme der Sammlung von Gerbereibesitzer Gustav Müller machte die Angliederung des sogenannten „Odenwaldmuseums“ in Form einer Küche und eines Wohn-/Schlafzimmers möglich. Unter dem ersten Weltkrieg litt auch der Museumsbetrieb bis hin zur Schließung. Erst 1922 erfolgte wiederum unter der Leitung von Karl Henkelmann die Wiedereröffnung.

Durch die Verlegung der Polizeistation in die Faktorei musste das Museum im April 1933 in beengte Räumlichkeiten im Dalberger Hof umziehen. Nach der Auflösung des Museumsvereins am 8. April 1934 ging die Trägerschaft an die Stadt Bensheim über. Der Betrieb wurde eingestellt, die Sammlungen 1935 eingelagert. Es kam vor allem während des zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit zu Verlusten durch unsachgemäße Behandlung und Plünderungen.