Stadtkultur Bensheim: Stadtkultur Bensheim
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Rosa Loy

 
 
 

Des besonderen Zaubers, der von den Werken Rosa Loys ausgeht, kann man sich kaum entziehen. Sanft aber bestimmt entführt sie den Betrachter in eine erzählerische Welt, abseits des Hier und Jetzt – in einen von Weiblichkeit bestimmten Kosmos. In ihren Traumlandschaften und -räumen stehen die Protagonistinnen meist im Zentrum des Geschehens – und stets geschieht etwas: es wird gearbeitet und agiert, kommuniziert und geträumt. Doch beim Versuch das offensichtlich eindeutige Treiben zu erklären,  stößt man auf Unerklärliches. Ein großes Stück weit, lässt Rosa Loy uns zwar an Ihrer Welt voller Symbole und Surrealitäten teilhaben. Wie bei einem Gewächshaus erlaubt sie uns, durch einzelne Scheiben ins Innere schauen zu dürfen und einen Blick auf das sensible und schützenswerte Wachsen und Gedeihen zu erhaschen. Dann kommt der Moment, an dem man sich als ewig Außenstehender  wiederfindet. Die Erkenntnis, das Gesehene nicht vollständig aufklären zu können führt jedoch nicht zu Frustration oder Enttäuschung. Im Gegenteil. Es stellt sich eine gewisse Befriedigung und Dankbarkeit ein, in einer Gegenwart voller Rationalitäten auf etwas Magisch-Unerklärliches stoßen zu dürfen. Und das nächste Fenster mit neuen Einblicken zu wunderdsamen Geschehnissen wartet schon nebenan.

In der Ausstellung „In dieser Welt“ im Museum Bensheim, eröffnete Rosa Loy vielseitige Einsichten in ihre Bildwelten. Erstmals wurden die beiden Räumlichkeiten „Forum“ und „Kabinett“ durch eine Ausstellung bespielt. Während im Forum ihre teils großformatigen Gemälde zu sehen waren, wurde im Kabinett der künstlerische Facettenreichtum der Leipzigerin dargestellt. Kleinformatige Kunstwerke verschiedener Medien und Materialien waren hier ausgestellt. Rosa Loy sei an dieser Stelle herzlich für das Vertrauen in dieses besondere Ausstellungsprojekt gedankt.

Leider war die Ausstellung von November 2020 bis März 2021 für Besucher*innen nicht zugänglich. Umso wichtiger war es, der Schau mit einem Werkkatalog Nachhaltigkeit zu verleihen. Dass dies möglich ist, verdanken wir dem großen Einsatz der Galerie Kleindienst – Matthias Kleindienst, Christian Seyde und Marcus Steinhäuser – in Leipzig. Ein herzlicher Dank gebührt auch Neo Rauch, der uns mit seinem Textbeitrag zu diesem Katalog seinen ganz persönlichen Blick auf Rosa Loys Malerei teilt. Exklusiv und limitiert für die Vorzugsausgabe dieser Publikation brachte Rosa Loy außerdem eine eindrucksvolle Lithographie zu Papier. Auch dafür danke ich der Künstlerin recht herzlich.

Der Katalog ist für 24,00 € im Museum Bensheim erhältlich. Interessierte können ihn telefonisch unter 06251/5847865 oder per Email museum(at)bensheim.de bestellen.

 

Bildnachweis: ©Thomas Neu

Ausstellung Boris Kleint - Werkübersicht by Helga K.

RAUM 1 – 1930er/40er Jahre

Boris Kleint studierte ab 1931 Malerei bei Johannes Itten in Berlin. In dieser Zeit entstanden Aquarelle und Zeichnungen,die in ihrer Präzision und ihren leicht verzerrten Darstellungen an die Neue Sachlichkeit erinnern. Kurz darauf folgten bereits erste konstruktivistische, kleinformatige Zeichnungen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland musste Boris Kleint die Ittenschule in Berlin verlassen und emigrierte nach Luxemburg. Dort schuf er auf Grundlage seiner vorherigen Arbeiten komplexe, phantasievolle und in ihrer Farbgebung reiche Kompositionen. Die kleinformatigen Werke bieten durch die Verschachtelung der verschiedenfarbigen Flächen eine extreme Dichte und Tiefe. Später vereinfacht Kleint den Bildaufbau zunehmend und es entstehen geometrische Bilder. In dieser Zeit entstanden hauptsächlich Kleinformate. Kleint fertigte jedoch einige Zeichnungen an, die er später als großformatige Gemälde verwirklichte. Durch den Austausch mit Kandinsky und Kleints früherem Lehrer Johannes Itten, entwickelt sich ein neuer theoretischer Ansatz, der Kleints Arbeiten zu Grunde liegen wird. So schreibt er in einem Brief aus dem Jahr 1939: „Diese Art, universal zu malen, d.h., nicht nur mit einer Farbe, Form, etc., sondern unter Verwendung möglichst aller Bildmittel, liegt mir sehr.“ So entwickeln sich aus den kleineren geometrischen Bildern zunehmend Varianten, welche in unterschiedlichem Maße zur Informellen Malerei übergehen. Nach dem Krieg kehrte Boris Kleint nach Deutschland zurück und wurde an die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken berufen. Dort übernahm er die Meisterklasse für Malerei. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen folgten.

RAUM 2 – 50er Jahre

Im Jahr 1952 verfasste Boris Kleint die Urfassung seines schriftlichen Hauptwerkes „Bildlehre“, in welchem er sich – durch seine Expertise aus der Wahrnehmungspsychologie unterstützt – der Gestaltungslehre widmet. Die Schrift wird zum maßgeblichen Leitfaden für spätere Generationen von Studenten in den Bereichen Kunst und Gestaltung. Zur gleichen Zeit entstanden Gemälde, die Boris Kleint selbst „Zeichenbilder“ nennt: Sie sind als Bewegungsbilder zu sehen, denn unter „Zeichen“ versteht Kleint komprimierte, menschliche Bewegungen. Die vielseitigen Werke zeigen in der Formsprache Kleints lineare Bewegungen verschiedensten Ausdrucks – Phänomene der sichtbaren Welt, umgesetzt und veranschaulicht mit Form und Farbe. Während der 50er Jahre wurde Boris Kleint zum Professor ernannt, er gründete die Künstlervereinigung "neue gruppe saar" und übernahm eine Gastprofessur an der Technischen Hochschule Aachen.

RAUM 3 – 60er/70er/80er Jahre

Im Zuge des Übergangs in die 60er Jahre ist in Kleints Werk ein signifikanter Bruch festzustellen: Der Künstler bewegt sich von der Fläche weiter zum Raum: Plastische Bilder entstehen. Die Plastizität der Arbeiten erlaubt feinere Unterschiede in Helligkeit und Farbtönen, das Licht spielt also eine zentrale Rolle für die Komposition und bindet den Betrachter intensiver mit ein. Kleint selbst spricht davon, dass das Bild nun vielfältiger wirken könne, da drei Akteure mitspielen: Bild, Licht und Beschauer. Neben der konstruktivistischen, eindimensionalen Malerei, widmet sich Kleint nun auch Bildern mit plastischen Elementen unterschiedlicher Anzahl und Intensität. Mit seinen freistehenden Skulpturen, die er „Stelzen“ nennt und die gänzlich als Plastiken zu verstehen sind und den Arbeiten im öffentlichen Raum als Schritt hin zur Architektur, hat Boris Kleint sein Oeuvre nun umfassend erweitert. Die Ganzheitlichkeit dieser Kunst beschreibt Kleint als Weg der Vereinigung von Malerei, Plastik und Architektur, ohne dass sich eine davon je aufgibt.

Weitere Informationen zur Ausstellung können Sie dem Infoblatt entnehmen, dass Sie HIER downloaden können.



 

 

Ausstellung Peter Steinforth - Der neue Aufbruch

Peter Steinforth wurde 1923 in Berlin geboren und wuchs in Köln auf. Nach dem Krieg zog er wieder nach Berlin, wo er Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste bei Karl Schmitt-Rottuff studierte. Seine Eindrücke des sich nach dem Krieg wieder aufrichtenden Berlins beeinflussten Steinforths Kunst maßgeblich. Den Ausdruck dafür fand er in der zeitgenössischen gegenstandslosen und informellen Malerei.   Von 1953 bis 1956 lebte er in Altea, gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung. In jener Zeit suchten auch Künstler der Darmstädter Sezession, wie z.B. Eberhard Schlotter, Inspiration in den ursprünglichen Lebensgewohnheiten der spanischen Bauern und Fischer. Sie fanden: Peter Steinforth, der sie durch seine progressive Malerei und Lebensweise beeindruckte. Die Sezessionisten luden Steinforth nach Darmstadt ein. Diesem Ruf folgte er und zog 1956 dorthin. Innerhalb weniger Jahre war er dort zur bekannten Künstlerpersönlichkeit avanciert und wurde zum Vorstandsmitglied der Darmstädter Sezession. Es folgten Ausstellungen und Ehrungen mit Kunstpreisen. Kunstkritiker und Kollegen beeindruckte Peter Steinforth durch den immensen Reichtum seiner Schwarz-Weiß-Malerei: Indem er sich verschiedener Materialien wie Holzkohle, Pittkreide und Gouachen bediente, gelang es ihm immer wieder, das Bewusstsein für die Vielfalt zurückgenommener Buntfarbigkeit zu schärfen. Steinforths Gouachen scheinen auf den ersten Blick einer intuitiven Inspiration zu entspringen. Bei genauem Hinsehen entpuppen sie sich jedoch zu, aus den Kontrasten von weißem Licht und dunklem, erdfarbenen Schatten zusammengefügten, Figuren. Die Zeit der 60er Jahre wird in Darmstadt als die Zeit des „Neuen Aufbruchs“ bezeichnet. Steinforth war der Hauptvertreter dieser künstlerischen Avantgarde. Durch Steinforth gewann die Neue Darmstädter Sezession an Ansehen in ganz Deutschland. So besuchten viele junge ambitionierte Künstler Darmstadt und das Atelier Steinforths auf der Suche nach der zukunftsweisenden Inspiration. Während Peter Steinforth bei den Gouachen noch mit Weiß als Farbe malte, nutzt er für seine späteren Zeichnungen das Weiß des Papiers. Weiß stellt also keine Leerstelle dar, sondern ist Teil der Komposition. Immer wieder kehrt Steinforth mit seiner Frau Brigitte und der gemeinsamen Tochter nach Spanien und damit den Ursprüngen seiner künstlerischen Identität zurück. Dies lässt sich auch in seinen jüngeren Pittkreide-Zeichnungen nachvollziehen: Sie erinnern auf den ersten Blick an scharfkantige Fensterausschnitte und umrissstarke Mauern. Diese konkreten Arbeiten wirken besonders durch ihre Plastizität und werden kunsthistorisch unter anderem mit spanischer Dichtung verglichen. Dort steht die harte Architektur stellvertretend für den eigensinnigen und stolzen Charakter Spaniens.
 
Weitere Informationen zu Peter Steinforth können Sie HIER downloaden.

Tilo Baumgärtel, Oskar Rink und Simon Adam Peter - Courtesy Galerie Kleindienst, Leipzig

Vom 02. Juli bis 09. August im Forum des Museums.

Tilo Baumgärtel, Oskar Rink und Simon Adam Peter, drei Künstler, wie sie nicht unterschiedlicher sein können, finden ihre Klammer im filmisch-theatralischen Denken. Ihre inszeniert en Projektionen haben als malerische Kompositione n eine außergewöhnliche innere Einheit und, ähnlich einem Bühnenbildner, stets die Wahrnehmung des Betrachters im Sinn. Die Bildräume, die Tilo Baumgärtel schafft, sind wie Erinnerungen und Fantasien, die aus ihren eigenen Häusern gerissen wurden und Visionen des beginnenden Verfalls oder eines drohenden Untergangs bieten - wir können nicht anders, als das Gefühl zu haben, eine Visualisierung des schlimmstmöglichen Falls zu betrachten. Die Verschränkung unterschiedlicher Erzählperspektiven, der Kontrast zwischen immaterieller Farberscheinung und scheinbar greifbarer Stofflichkeit oder die Inszenierung des Raumes durch extreme Hell-Dunkel-Kontraste sind nur einige Möglichkeiten seines Repertoires, die Logik des Bildraumes zu brechen und die vermeintliche Schlüssigkeit einer Situation ins Wanken zu bringen. Angetrieben von Bemühungen, Impulsen und Neigungen des immer strebenden, niemals ruhenden menschlichen Geistes, schafft Oskar Rink in ihren Arrangements eine traumhafte surreale Qualität und lädt den Betrachter ein, in die wohlriechenden, fragilen Sphären ihrer inneren Visionen der äußeren Realität einzutauchen.Simon Adam Peter drückt in seinen Bildern, obgleich sie sich explizit in den Hemisphären homosexueller Leidenschaften und Begierden bewegen, existenziell Allgemeingü ltiges aus und schafft eine emphatische Projektionsfläche, die vollkommen unabhängig von sexuellen Ausrichtungen und Interessen ist. Dabei sind Stil und Thema deckungsgleich; denn nicht nur die dargestellten Männer, sondern die Malerei selbst befindet sich in einem permanenten ekstatischen Erregungszustand. Und nicht immer gelingt es, diese Spannung bis zur Vollendung des Bildes aufrechtzuerhalten. Dann kommt es zum befreienden weil formauflösenden Ausbruch. Farbe wird zu Sperma, läuft unkontrolliert die Leinwand runter, bildet Kleckse, löscht Gesichter und Körperteile aus. Das Bettlaken als klassische Unterlage für sexuelle Bedürfnisse - hier ist es die Leinwand, die als klassische Trägerfläche für Bilder beschmutzt wird. Dünne, breite Pinsel malen. Zärtlich legen sie Konturlinien an, schaffen Physiognomien, deuten Innenräume an, doch irgendwann ist es vorbei mit der Triebunterdrückung beim kreativen Akt des Malens. Die Farbe muss raus. Und dann schießt sie raus. 

Arthur Metz - Courtesy Galerie Thomas Fuchs

Vom 14. Mai bis 14. Juni sind im Kabinett des Museums Werke des Malers Arthur Metz zu sehen.

Arthur Metz wurde 1988 in Lyon geboren und studiert bei Prof.Güdemann Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Seine Ausstellungen im In- und Ausland finden großen Anklang und so wird er in diesem Jahr mit dem Berlin Hyp Preis ausgezeichnet. Im Museum Bensheim präsentiert Arthur Metz eine Auswahl seiner letzten Arbeiten auf Papier und Leinwand. Der junge Künstler setzt sich derzeit mit vielen aktuellen Themen auseinander, wie dem zunehmenden Verlust an Spiritualität, beispielsweise durch den modernen Konsumismus als neue Religion, dem Phänomen des „15-Minuten im Rampenlicht“ durch entsprechende TV Formate, zügelloses unterhalten werden und feiern. Die Figuren in seinen Bildern, die Metz als „Menschen, die an keinen Gott glauben“ bezeichnet, finden sich jedoch häufig verzweifelt und zwischen gegenteiligen Imperativen hin- und hergerissen wieder. Andererseits vermag es Metz auch vor diesem Hintergrund, die Schönheit der Welt und zwischenmenschlicher Gefühle zu sehen und diese in farbstarken, zeitgemäßen Aquarellen und in Acrylgemälden auszudrücken. 

Die Werke von Arthur Metz sind käuflich zu erwerben.

Günter Zachariasen - Courtesy Galerie Thomas Fuchs Stuttgart

Vom 14. Mai bis 14. Juni sind im FORUM des Museums Werke des Malers Günter Zachariasen zu sehen.

Günter Zachariasen (geb. 1937 auf Sylt ) wuchs in naturbelassener Landschaft auf, die von der Nordsee umgeben ist. Im Jahr 1975 verließ er die Insel und erwarb auf dem nordfriesischen Festland einen alten Hof mit Garten, der ihm seitdem als Ort der Einkehr dient. Inspiration für seine Werke findet der Künstler in der dort intensiv erlebten, unberührten Natur. Genau diese Ruhe ist auch in seinen  aktuellen Werken erkennbar. Entgegen jeglicher Sehgewohnheiten fehlen feste Formen in den Werken von Günter Zachariasen aus den letzten Jahren und dennoch, oder gerade deswegen, üben sie eine besondere Anziehung auf uns aus: Es ist die dargestellte farbige Leere, die enigmatisch auf den Betrachter wirkt, und mit der uns Zachariasen bewusst konfrontiert. Um seine sphärischen Werke zu ergründen, muss man sich jedoch Zeit nehmen, denn sie erschließen sich oftmals erst auf den zweiten Blick. 


Die Arbeiten sind käuflich zu erwerben.