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Auftakt 24. Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler. Im Anschluss "Im Herzen der Gewalt" - Thalia Theater Hamburg

 

 

© Krafft-Angerer

Donnerstag, 07. März 2019, 19.00 Uhr
Auftaktveranstaltung der 24. Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler
Dagmar Borrmann, Carola Hannusch und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Im Anschluss (ca. 20.15 Uhr):
Im Herzen der Gewalt
von Édouard Louis
Thalia Theater Hamburg

Auf der Straße begegnet Édouard einem jungen Mann. Er heißt Reda. Ein Flirt beginnt. Er nimmt ihn mit nach Hause. Eine schöne Nacht, doch sie wird Édouards Leben nachhaltig verändern, als Reda ihn mit einer Pistole bedroht, fesselt und vergewaltigt. Édouard flieht aus Paris zu seiner Schwester Clara in die Provinz, aus der er einst verschwand, beschimpft als Schwuchtel und behandelt wie ein Aussätziger. Alles in Édouards Kopf dreht sich um diese Erfahrung im „Herzen der Gewalt“, um seine Scham, überhaupt darüber zu sprechen, seine verspätete Anzeige bei der Polizei, die Untersuchungen und Befragungen durch Juristen, Ärzte und Polizisten. Er fühlt sich seiner Geschichte beraubt und er wird mit dem Rassismus der Beamten konfrontiert, die im Polizeijargon von dem Täter bloß als „maghrebinischem Typus“ sprechen. „Für sie“, so Édouard, „implizierte maghrebinischer Typus keine geographische Information, sondern bedeutete schlicht Schurke, Übeltäter, Krimineller.“

Édouard Louis, der mit seinem autobiografischen Roman „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der französischen Literatur avancierte, thematisiert auch in seinem zweiten Roman die strukturelle und physische Gewalt, die Sprache und Politik ausüben. „Unsere Welt ist tief von Gewalt geprägt“, sagt Édouard Louis, „Die einzige Möglichkeit, die Gewalt zu bekämpfen, ist, darüber zu sprechen.”

„Dank einer Regie, die sich auf das Wesentliche beschränkt, und dem Spiel zweier Darsteller, die keine Scheu zeigen, bis an ihre Grenzen zu gehen, ist dieser kurzweilige Abend politisches Statement, Seelenschau und nicht zuletzt Theater, über das nachzudenken sich lohnt. Sebastian Jakob Doppelbauer und Toini Ruhnke werfen aus ganz unterschiedlichen Richtungen Schlaglichter auf Èdouards Geschichte, lassen kurze Szenen aufblitzen und versprühen in scharfkantigen Dialogen reichlich Geschwistergift.“

Sören Ingwersen, Szene Hamburg, Oktober 2018

Mit:                              Toini Ruhnke, Sebastian Jakob Doppelbauer
Regie:                          Franziska Autzen            
Ausstattung:                Sina Brüggemann
Musik:                          Johannes Hofmann
Video:                          Simon Jansse
Tanz-Choreographie:  Heiko Büter
Dramaturgie:               Matthias Günther 
Aufführungsrechte:      The Wylie Agency London       

Dauer  90 Minuten, keine Pause

EINTRITT FREI!

Jugend ohne Gott

© David Baltzer

Samstag, 09. März 2018, 19.30 Uhr
Einführung: 19.00 Uhr
Düsseldorfer Schauspielhaus / Junges Schauspiel
Jugend ohne Gott
von Ödön von Horváth - in einer Fassung von Kristo Sagor

Ihre Kindheit erlebten sie in der Demokratie, ihre Pubertät bereits in der Diktatur. »Jugend ohne Gott« spielt 1936 in Nazideutschland. Schüler*innen werden zu Menschenverachtung, Gehorsam und Rassenhass erzogen. Bei Geländeübungen und Lagerfeuerromantik probieren sie das Kriegshandwerk, während opportunistische und obrigkeitshörige Erwachsene sich am Rande des Abgrunds der Genusssucht hingeben. Als Zeichen fortschreitender Entindividualisierung gesteht Horváth den Schüler*innen keine Namen zu. Der erwachsene Protagonist heißt lediglich »Lehrer«. Nur die Anführerin einer Diebesbande erhält einen Namen: Eva. »Z« immerhin schreibt Tagebuch. Riskant sind seine Einträge über die heimliche Liaison mit Eva oder die Zweifel an der militaristischen, faschistischen Erziehung. Als das Kästchen, in dem »Z« sein Tagebuch aufbewahrt, aufgebrochen wird, glaubt »Z« in »N« den Täter zu erkennen. Später wird dieser tot im Wald gefunden, und der Verdacht fällt auf Eva. Ein Krimi beginnt, der von den Folgen herrschender Menschenverachtung erzählt. In seinem Meisterwerk von 1937 erkundet Horváth die Geburt des Faschismus.

Kristo Šagor schreibt und inszeniert für Erwachsene, wie auch für junges Publikum. Als Autor und Regisseur ist er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem deutschen Theaterpreis »Der Faust«. Mit einem akribisch genauen Umgang mit Texten legt er tiefere Schichten frei und schafft hochspannende Theatererlebnisse. Die Bühnenbildnerin Iris Kraft entwirft für »Jugend ohne Gott« eine bewegliche Bühnenfläche, die dem Ensemble ein Spiel zwischen Balance und Kippmomenten ermöglicht.

Mit Ödön von Horvaths »Jugend ohne Gott« fragt das Junge Schauspielhaus, was es kostet, sich einer verrohten Gesellschaft entgegenzustellen. [...] Ein Lehrstück über Mut und Anstand und die richtige Haltung in einer falschen Zeit. Gleich zu Beginn wird klar, dass »Jugend ohne Gott« kein abgelagertes Stück aus brauner Vorzeit ist, sondern mit seinen Fragen nach Zivilcourage und dem Widerstandsgeist von Demokraten die Zeit wieder trifft. [...] Das Ensemble ist bestens aufeinander eingespielt. Es stemmt diese Inszenierung mit der rasanten Szenenfolge wirklich als Team.

Rheinische Post, 15.9.2018

MitPaul Jumin Hoffmann, Marie Jensen, Selin Dörtkardeş, Jonathan Gyles, Thomas Kitsche
Regie: Kristo Šagor
Bühne und Kostüm: Iris Kraft

Musik: Felix Rösch       
Dramaturgie: Kirstin Hess

Dauer  120 Minuten, eine Pause

Infos zu Karten und Preise finden Sie hier 

Michael Kohlhaas

© Candy Welz

Mittwoch, 13. März 2019, 19.30 Uhr
Einführung 19.15 Uhr
Deutsches Nationaltheater Weimar
Michael Kohlhaas

nach Heinrich von Kleist

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas, »einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit« wird mit zwei zum Verkauf bestimmten Pferden an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen aufgehalten. Weil er einen scheinbar benötigten Passierschein nicht vorlegen kann, werden ihm die Tiere gepfändet und verwahrlosen beim Junker Wenzel von Tronka. Eine Klage gegen dieses Unrecht bleibt erfolglos. Das Bemühen seiner Frau Lisbeth, sich bei der Obrigkeit Gehör zu verschaffen, endet mit ihrem Tod. Kohlhaas sinnt auf Rache und brennt sich durch das Land, um von Tronka zu ergreifen. Die Mächtigen um den Sächsischen Kurfürsten sind sich nicht einig, wie der Staat auf den Rosshändler reagieren soll. Kohlhaas Recht geben und die begangen Straftaten amnestieren? Oder ihn mit aller Härte aus dem Verkehr ziehen?

Regisseur Sebastian Martin lässt die Geschichte des Rosshändlers von vier rechtsextremen Erzählerfiguren interpretieren, die sich in Michael Kohlhaas wiedererkennen: vom Staat und seinen Vertretern enttäuscht, ungerecht behandelt und fest entschlossen, sich mit allen notwendigen Mitteln dagegen zu wehren. Die Figuren machen sich Stationen der Novellenhandlung fragmentarisch zu eigen, um die Geschichte mit Bezügen zu unserer Gegenwart in ihrem Sinne umzudeuten. Die Zuschauer*innen sind gefordert, sich dieser auf die Spitze getriebenen Umdeutung und Inbesitznahme der Novelle zu stellen und sich dazu zu verhalten.

»Das ist eine intelligente Arbeit, die zeigt, wie man diesen Kohlhaas missbrauchen kann. Die Gefahr, dass sie's selbst tut, steht stets im Raum, bleibt aber uneingelöst. Dafür sorgen vier exzellente Schauspieler, die die gesamte ideologische Klaviatur ihrer Figuren ebenso durchschimmern lassen wie die eigene, eher konträre Haltung dazu.«  (Thüringer Allgemeine, 11.11.2017, Michael Helbing)

Mit: Marcus Horn, Thomas Kramer, Jonas Schlagowsky, Isabel Tetzner
Regie: Sebastian Martin
Bühne und Kostüme: Kaja Bierbrauer

Video: Bastian Klügel
Dramaturgie: Carsten Weber

Dauer  80 Minuten, keine Pause

Infos zu Karten und Preise finden Sie hier

 

 

Draußen vor der Tür

© Jochen Quast

Freitag, 22. März 2019, 19.30 Uhr
Einführung 19.00 Uhr
Draußen vor der Tür
Von Wolfgang Borchert
Theater Erlangen

Beckmann kommt nach drei Jahren Gefangenschaft aus dem Krieg zurück in ein zertrümmertes Deutschland. Seine Ankunft wird nicht zur lang ersehnten Heimkehr: Er sucht eine Bleibe, aber jede Tür schließt sich vor ihm. Alles hat er verloren, nur die Verantwortung wird er nicht los.

Der Kriegsheimkehrer Beckmann wurde zum Sprachrohr einer verlorenen Generation und „Draußen vor der Tür“ Schullektüre. Aber was erzählt uns Beckmanns Schicksal über die Gegenwart? Wie kann man sich ihm annähern? Welche neuen Fragen stellen sich?

Borcherts berühmtes Heimkehrstück ließ Enrique Fiß nach der ersten Lektüre nicht mehr los. Gemeinsam mit Niklas Handrich und Maria Sendlhofer initiierte er daraufhin bereits während seines Schauspielstudiums erste Proben. Am Theater Erlangen brachten sie „Draußen vor der Tür“ nun zur Premiere. Die Fassung für nur einen Schauspieler und einen Musiker führt Beckmann schlüssig ins Heute und betont, dass er nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist.

„Mit hohem Körpereinsatz und präzisem Spiel ackert sich Enrique Fiß durch diese knackig-kurze Inszenierung von 80 Minuten, die ungemein engmaschig ist, die keine Leerstellen kennt, keine überflüssigen Zeilen, die wunderbar getimt daherkommt und dank der klug eingesetzten Mittel die gelungene Umsetzung eines überaus bekannten Titels darstellt. Das ist theatral im besten Sinne. Schullektüre ohne Holzhammer.“ 

Manfred Koch, Nürnberger Nachrichten

Mit: Enrique Fiß, Niklas Handrich
Konzept: Enrique Fiß, Maria Sendlhofer
Regie: Maria Sendlhofer

Bühne und Kostüme: Sandra Dehler, Maria Sendlhofer
Musik: Niklas Handrich

Dramaturgie: Linda Best, Christina Kramer

Dauer  80 Minuten, keine Pause

Infos zu Karten und Preise finden Sie hier

All das Schöne

© Isabel Machado Rios

Freitag, 29. März 2019, 19.30 Uhr
Einführung: 19.00 Uhr
All das Schöne
von Duncan Macmillan - Mitarbeit Jonny Donahoe
Schauspiel Hannover

Wie reagiert man als Kind auf den Selbstmordversuch seiner Mutter? Man schreibt ihr eine Liste mit allem, was an der Welt schön ist. – »1. Eiscreme, 2. Wasserschlachten, 3. Länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen, 4. Die Farbe gelb, … 25. Einen Superhelden-Umhang tragen, 26. Ins Meer pinkeln, und keiner merkt es« – Man hofft, dass die Mutter sie liest (und nicht bloß die Rechtschreibfehler korrigiert), dass ihre Depression aufhört und alles wieder gut wird. Wird es nicht, aber die Liste wächst, wird zum ständigen Begleiter, während das Kind mit dem Studium anfängt, sich zum ersten Mal verliebt, heiratet und sich schließlich trennt. – »517. Mit jemanden so vertraut sein, dass man ihn nachgucken lässt, ob man Brokkoli-Reste zwischen den Zähnen hat. 521. das Wort Schupfnudel« – Eine seltsame Traurigkeit bleibt, es gibt Abstürze, Verletzungen und einen Vater, der nicht helfen kann. Die Liste – im Laufe der Jahre angewachsen und sich der Million nähernd – kann die Mutter nicht retten, aber ihren Verfasser. – »999.998. Unpassende Songs in gefühlvollen Momenten …«

Allein in Deutschland sterben jährlich  tausende Menschen – darunter sehr viele junge – in Folge dieser psychischen Erkrankung. Depres-sion hat viele Facetten – lustig ist sie nie. Der Brite Duncan Macmillan hat es trotzdem gewagt und ein umwerfend komisches Stück über Depression geschrieben – hinreißend, herzergreifend und gänzlich unsentimental.

DUNCAN MACMILLAN (geb. 1980) Der britische Autor und Regisseur erhielt für seine Stücke zahlreiche Preise. Er ist Hausautor des Paines Plough Theatre in London und des Royal Exchange Theatre in Manchester. Neben dem Theater schreibt er für Radio, Film und Fernsehen. JONNY DONAHOE (geb. 1983) ist ein britischer Comedian, Autor und Performer. Gemeinsam mit Duncan Macmillan schrieb er „All das Schöne”.

Mit: Jonas Steglich
Regie und Kostüme: Paul Schwesig
Bühne: Andreas Alexander Straßer

Musikalische Leitung: Christian Decker
Dramaturgie: Barbara Kantel

Dauer  90 Minuten, keine Pause 

Infos zu Karten und Preise finden Sie hier

Nach der Vorstellung um ca. 21.30 Uhr:
Bekanntgabe der Preisträger für den Günther-Rühle-Preis, des Publikums- und des Schülervotums