Stadtkultur Bensheim: Stadtkultur Bensheim
Stadtkultur Bensheim
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Dem Schauspiel Hannover gelingt das Triple

Günther-Rühle Preis, Publikumsvotum und Schülervotum für "ALL DAS SCHÖNE".

Das Bensheimer Festival endete mit einem Triumph für das Gastspiel "All das Schöne". Der Schauspieler Jonas Steglich und sein ganzes Team konnten sich am Freitag über alle drei Auszeichnungen freuen: den mit 3.000 Euro ausgestatteten Günther-Rühle-Preis, den undotierten Zuschauerpreis sowie den Preis der Schülerjury.
Die Jury für den Günther-Rühle-Preis brachte zum Ausdruck:
"Dass „All das Schöne“ nicht als düstere Analyse einer Kindheit mit einer depressiven Mutter daherkommt, sondern als ein Stück über Resilienz, ist zum großen Teil dem Schauspieler Jonas Steglich zu verdanken, der mit dem Publikum die schönen Lebensmomente sammelt: mit unaufdringlichem Charme und einer selbstverständlichen Art steuert er das Publikum durch die Höhen und Tiefen seines Themas. Wenn es mit Einfühlung nicht mehr weitergeht, hilft der nächste Song weiter. Theater kann auch Mut machen."

Die Jurybegründung im kompletten Wortlaut:

GÜNTHER-RÜHLE-PREIS 2019

DIE JURYBEGRÜNDUNG:

Zu Beginn möchten wir ganz besonders die Leistung einer jungen Schauspielerin erwähnen. In einem Interview fragte man Sie mal, welcher Star sie gerne mal wäre und sie antwortet mit:

Jemand richtig reiches. Der immer abgeholt wird. Die Queen zum Beispiel.

Sie ist nicht die Protagonistin der Inszenierung und doch nimmt sie uns mit und zieht uns von Anfang an in ihren Bann. Es sind ihre feinen Wechsel auf den schauspielerischen Ebenen, ihre unfassbare Wandlungsfähigkeit, ihre Wärme, ihre Aura. Sie betritt die Bühne und ist da. Eine Präsenz die von Anfang an im Raum ist. Mit Stärke und Kraft überzeugt sie. Wir möchte Tonini Ruhnke in der Inszenierung „Im Herzen der Gewalt“ vom Thalia Theater Hamburg besonders lobend für ihre schauspielerische Leistung erwähnen.

Jetzt wäre der Teil gekommen, für den wir eine 4 seitige Rede vorbereitet hätten. Wir hätten Hannah Arendt zitiert, über das Böse gesprochen, über heutige Gesellschaftsstrukturen geredet und die Fragen gestellt: Was heißt es sich einer verrohten Gesellschaft entgegenzustellen? Was heißt heute Zivilcourage? Was heißt Widerstand?

Dann passiert aber Theater und wir sehen einen Abend der alles auf den Kopf stellt und die Rede an keinem Punkt mehr passt. Weil sie ein anderes Thema in das Zentrum stellt, was eine andere Rede gebraucht hätte. 

Warum?

Weil es nicht als düstere Analyse einer Kindheit mit einer depressiven Mutter daherkommt.

Warum?

Weil es über Resilienz mit dem Publikum die schönen Lebensmomente sammelt.

Warum?

Weil die 24 die Spaghetti Bolognese ist.

Warum? 

Weil der Darsteller mit seinem unaufdringlichem Charme uns in den Bann zieht.

Warum?

Weil er mit einer selbstverständlichen Art das Publikum durch die Höhen und Tiefen seines Themas steuert. 

Warum?

Weil er es schafft mit einer Feinfühligkeit uns zum Mitmachen zu bewegen.

Warum? 

Weil er uns mit seiner Präsenz mitnimmt und nicht entkommen lässt.

Warum?

Weil uns der nächste Song noch ein Stück näher rücken lässt.

Warum?

Weil Theater Mut machen kann.

Warum?

Weil der Darsteller uns Mut macht.

Warum?

Weil er die Hürden und Mauern schrittweise aufbricht. Weil er den Abend mit uns gestaltet. Weil es ein Soloabend ist, der kein Solo ist. Weil es einen Darsteller gibt, der die ständige Aufmerksamkeit für das komplette Publikum hat.

Wir freuen uns den Günther Rühle Preis 2019 für herausragendes Schauspiel an den Schauspieler Jonas Steglich in der Inszenierung von „All das Schöne“ vom Schauspielhaus Hannover übergeben zu dürfen.