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Vortrag Dr. Rudolf Fischer - Wahlverwandtschaften?

15. März 2018 19:00 Uhr

Veranstalter: Kunstarchiv Bergstraße und Felsberg Akademie
Veranstaltungsort: Museum Bensheim

 

Gemeinsam mit der Felsberg Akademie hat das neu gegründete Kunstarchiv Bergstraße eine Vortragsreihe mit hochkarätigen Referenten zusammengestellt.

Eröffnet wird die Reihe mit einem Beitrag zur Architekturgeschichte durch den Leiter des Archivs der Avantgarden der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Herrn Dr. Rudolf Fischer.

Der Vortrag findet am 15.03. um 19.00 Uhr im Museum Bensheim statt.

Wahlverwandtschaften? Interferenzen zwischen Industriebau und dem Neuen Bauen 1925 – 1955

 

Im Diskurs der Moderne wurden avantgardistische Fabrik- und Industriebauten ab Mitte der 1920er Jahre medial inszeniert und als Ikonen des Fortschritts überhöht.

 

Dabei ordnete man freimütig auch die von Ingenieuren erbauten Tageslichtfabriken der lautstarken Gruppe des „internationalen“ Neuen Bauens zu. Die ästhetische Nobilitierung dieser Bauten fand in Zeitschriften, in der Kunstkritik und durch institutionelle Propagierung (z. B durch den Deutschen Werkbund oder am Bauhaus) statt. Ingenieur-Architekten, wie z. B. Albert Kahn für die Ford-Werke, wurden verehrt und programmatisch vereinnahmt. Dies geschah nicht ohne Widerstände und führte zu heftigen Diskussionen über den eigentlichen Status der Industriearchitektur im breiten Feld der Moderne zwischen Avantgarde und Heimatschutz.

 

Diese Debatten wurden in den 1950er Jahren fortgesetzt. Nachdem der Industriebau im NS-Deutschland seine Modernität bewahren und sogar optimieren konnte, wirkte er in der frühen Bundesrepublik erneut impulsgebend für die Architekturdebatte (z. B. Ernst Neufert: „Der Architekt im Zerreißpunkt“ 1947) agierte aber ohne die frühere programmatische Aufladung. Eine Aufarbeitung des Fabrikbaugeschehens der NS-Zeit fand dabei nicht statt.

 

Anhand konkreter Beispiele soll die kontinuierliche Popularisierung und gleichzeitig sich stetig wandelnde Bewertung der Fabrikarchitektur zwischen 1925 und 1955 kontextualisiert und die dabei erzeugten Wechselwirkungen in ihren ebenso komplexen wie auch spannenden Zusammenhängen dargelegt werden.

 

 

 

Kurzvita:

 

Dr. phil. Rudolf Fischer ist als Kunstwissenschaftler, Forscher und Autor seit April 2017 Co-Leiter des Archivs der Avantgarden (AdA) bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Sein Studium des Ingenieurwesens und der Innenarchitektur (Dipl.-Ing. 1991) sowie der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte (M.A. 1998) schloss er 2009 mit einer Promotion über Industriebauten der Moderne im Spannungsfeld der Diskurse um Avantgarde und traditioneller Strömungen ab.

Am Zentralinstitut für Kunstgeschichte leitete er von 2011 bis 2017 als wissenschaftlicher Koordinator das internationale DFG-Projekt zu Möbeldesign und Innenraumplanungen Ludwig Mies van der Rohes. Er ist seit 2014 Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Kunstgeschichte), seit 2016 an der Hochschule Rosenheim (Innenarchitektur).

Forschungsschwerpunkte sind Kunst, Architektur und Design der Avantgarden im 20. und 21. Jahrhundert, sowie die ästhetisch-sozialen Konfigurationen von Wohndesign, Architektur und Raumkonzepten der Moderne.

2012 erschien seine Monografie „Licht und Transparenz. Der Fabrikbau und das Neue Bauen in den Architekturzeitschriften der Moderne“, 2016 der von ihm mitherausgegebene Sammelband „Modern Wohnen. Möbeldesign und Wohnkultur der Moderne“.