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Tilo Baumgärtel, Oskar Rink und Simon Adam Peter - Courtesy Galerie Kleindienst, Leipzig

02. Juli 2020 - 09. August 2020,

Tilo Baumgärtel, Oskar Rink und Simon Adam Peter, drei Künstler, wie sie nicht unterschiedlicher sein können, finden ihre Klammer im filmisch-theatralischen Denken. Ihre inszeniert en Projektionen haben als malerische Kompositione n eine außergewöhnliche innere Einheit und, ähnlich einem Bühnenbildner, stets die Wahrnehmung des Betrachters im Sinn. Die Bildräume, die Tilo Baumgärtel schafft, sind wie Erinnerungen und Fantasien, die aus ihren eigenen Häusern gerissen wurden und Visionen des beginnenden Verfalls oder eines drohenden Untergangs bieten - wir können nicht anders, als das Gefühl zu haben, eine Visualisierung des schlimmstmöglichen Falls zu betrachten. Die Verschränkung unterschiedlicher Erzählperspektiven, der Kontrast zwischen immaterieller Farberscheinung und scheinbar greifbarer Stofflichkeit oder die Inszenierung des Raumes durch extreme Hell-Dunkel-Kontraste sind nur einige Möglichkeiten seines Repertoires, die Logik des Bildraumes zu brechen und die vermeintliche Schlüssigkeit einer Situation ins Wanken zu bringen. Angetrieben von Bemühungen, Impulsen und Neigungen des immer strebenden, niemals ruhenden menschlichen Geistes, schafft Oskar Rink in ihren Arrangements eine traumhafte surreale Qualität und lädt den Betrachter ein, in die wohlriechenden, fragilen Sphären ihrer inneren Visionen der äußeren Realität einzutauchen.
Simon Adam Peter drückt in seinen Bildern, obgleich sie sich explizit in den Hemisphären homosexueller Leidenschaften und Begierden bewegen, existenziell Allgemeingü ltiges aus und schafft eine emphatische Projektionsfläche, die vollkommen unabhängig von sexuellen Ausrichtungen und Interessen ist. Dabei sind Stil und Thema deckungsgleich; denn nicht nur die dargestellten Männer, sondern die Malerei selbst befindet sich in einem permanenten ekstatischen Erregungszustand. Und nicht immer gelingt es, diese Spannung bis zur Vollendung des Bildes aufrechtzuerhalten. Dann kommt es zum befreienden weil formauflösenden Ausbruch. Farbe wird zu Sperma, läuft unkontrolliert die Leinwand runter, bildet Kleckse, löscht Gesichter und Körperteile aus. Das Bettlaken als klassische Unterlage für sexuelle Bedürfnisse - hier ist es die Leinwand, die als klassische Trägerfläche für Bilder beschmutzt wird. Dünne, breite Pinsel malen. Zärtlich legen sie Konturlinien an, schaffen Physiognomien, deuten Innenräume an, doch irgendwann ist es vorbei mit der Triebunterdrückung beim kreativen Akt des Malens. Die Farbe muss raus. Und dann schießt sie raus. 

 

Bild oben: Oskar Rink, Bild Mitte: Simon Adam Peter, Bild unten: Tilo Baumgärtel